Ein buntes Gemälde. Auf der rechten vorderen Seite ist ein Mädchen von Kopf bis zur Brust zu sehen. Sie trägt eine dunkelblaue Jacke und ein weißes Kopftuch. Mit ihrer linken Hand hält sie ein weißes Tuch an den Mund. Im Hintergrund ist ein Strand zu sehen und das Meer.

Käte Lassen in Flensburg

Stadtrundgang

Unsere FSJlerin ist den Spuren Käte Lassens gefolgt und nimmt Sie mit auf einen Stadtrundgang, bei dem Sie die Künstlerin und ihr Flensburg kennenlernen. Hören oder lesen Sie, wie die Stadt Käte Lassen geprägt hat und wie ihr Wirken bis heute das Stadtbild beeinflusst.

Wie’s funktioniert:
Laufen Sie die einzelnen Stationen ab. Für jeden Halt gibt es einen Link. Dort finden Sie die Informationen zur Station in text- oder audioform.

Viel Spaß

Stationen

  • Station 1: Käte-Lassen-Hof 
    Holm 51, 24937 Flensburg
  • Station 2: Hafenspitze 
    Am Kanalschuppen 1a, 24937 Flensburg
  • Station 3: Polizeipräsidium
    Norderhofenden 1, 24937 Flensburg
  • Station 4: St. Marienkirche
    Marienkirchhof 7, 24937 Flensburg
  • Station 5: Hans-Christiansen-Haus
    Museumsberg 1, 24937 Flensburg

Station 1: Käte-Lassen-Hof

 

Käte Lassens Elternhaus

 

Station 1 als Audiodatei

Es ist das Jahr 1880. Hier, am Holm 51 in der Flensburger Altstadt, wird am 22. Februar Berta Katharina Lassen, von allen Käte genannt, geboren. Sie ist eines von acht Kindern einer wohlhabenden Goldschmiedefamilie.

Ihre Eltern ermöglichen ihrer Tochter etwas, das Frauen in dieser Zeit kaum erfahren durften: Vertrauen und Freiheit. Käte darf ihren eigenen Weg gehen. Sie wird nicht nur ideell, sondern auch finanziell unterstützt. Und sie nutzt diesen Freiraum: für ihre Ausbildung, ihre Kunst und ihr selbstbestimmtes Leben.

Nach Studienjahren in Hamburg und München kehrt sie im Winter 1905 nach Flensburg zurück. Im obersten Stockwerk ihres Elternhauses hat ihr Vater ihr ein eigenes Atelier eingerichtet. Dort erlauben ihr eine große Fensterfront und eine Dachterrasse einen freien Blick über die Dächer Flensburgs auf die Förde. Hier malt sie, empfängt Gäste, diskutiert. Die Wände ihres Ateliers sind mit Kunst behangen. Sie schafft sich so ihren ganz eigenen Rückzugsort in der Stadt. Doch sie wird hier auch mit den Erwartungen an eine Frau ihrer Zeit konfrontiert. 1916 verlobt sie sich, löst die Verbindung jedoch bald wieder auf. Auch spätere Beziehungen scheitern daran, dass sie das Gefühl hat, nicht gleichzeitig Künstlerin und Ehefrau sein zu können. Sie entscheidet sich für die Kunst.

Im Februar 1956 stürzt Käte Lassen vor der Tür ihres Elternhauses. Es folgen Wochen im Krankenhaus. Ein letztes Mal verreist sie, doch die Rückkehr ist schwer. Ihre Kräfte schwinden, Besuche werden zur Belastung. Am 22. Dezember 1956 stirbt Käte Lassen im Alter von 76 Jahren. 

Flensburg ist für sie ihre Heimat, in die sie stets zurückkehren kann. Und doch zieht es sie immer wieder fort: in den Norden.

 

Station 2: Hafenspitze 

 

Käte Lassen, der Norden und das Meer

 

Station 2 als Audiodatei

Skandinavien ist für Käte Lassen ein Sehnsuchtsort. Immer wieder zieht es sie dorthin, nicht nur wegen der Landschaft, sondern auch wegen der Kunst. Schon 1904/05 reist sie nach Kopenhagen, um dänische Künstlerinnen und Künstler sowie deren Werke kennenzulernen.

Freiheit und Unabhängigkeit erlebt Käte Lassen, als sie nach ihrem Aufenthalt mit dem Fahrrad von Skagen über die Westküste fährt, für eine Frau in dieser Zeit kaum vorzustellen. Dabei stößt sie auf einen, für sie ganz besonderen Ort: das Fischerdorf Klitmøller. Von 1906 bis 1912 verbringt sie hier ihre Sommer. Sie malt vor allem die Frauen am Meer und hält so ihren Alltag und ihre Lebensumstände fest. Nach Aufenthalten in Vorupør lässt sich Käte Lassen in Stenbjerg nieder. Und das von nun an jedes Jahr, über den Sommer und manchmal auch darüber hinaus. Mitten in den Dünen wird für sie ein Holzhaus gebaut. Sie lebt mit den Fischerfamilien, lernt sie kennen, passt sich ihrem Lebensstil an und hält sie in vielen ihrer Werke fest. Wie zum Beispiel in der Arbeit „Nordisches Volk“ aus dem Jahr 1935.

In einem Winter zerstört ein Wirbelsturm ihr Haus. Ihre Sachen werden in alle Richtungen verweht. Doch dieses Naturereignis schmerzt sie wohl weniger als die Jahre der Weltkriege.

Zwischen 1914 und 1918, und besonders während des Zweiten Weltkriegs, ist ihr der Zugang nach Dänemark versperrt. Reisen über die Grenze sind unmöglich, auch in ihr geliebtes Stenbjerg. Ihre Sehnsucht ist so groß, dass sie dem dänischen Staat sogar zwei ihrer Werke schenken will, in der Hoffnung, wieder einreisen zu dürfen. Doch ihr Anliegen wird abgelehnt.

Der Flensburger Hafen ist ein Sinnbild für diese Zerrissenheit: einerseits die Nähe zum Wasser und zum Norden, andererseits die spürbare Distanz, die nicht immer leicht zu überwinden ist. 

Doch was macht Käte Lassen in der Zeit, in der sie nicht nach Dänemark einreisen darf? Das erfahrt Ihr an der nächsten Station.

 

Station 3: Polizeipräsidium  

 

Käte Lassen im Nationalsozialismus

 

Station 3 als Audiodatei

Käte Lassen ist keine politische Künstlerin, aber auch keine unpolitische Beobachterin. Zu Beginn des NS-Regimes scheint sie die Tragweite der Entwicklungen noch nicht ganz zu erfassen. 1933 bewirbt sie sich für eine Ausstellung in Berlin, ohne Erfolg. Ihr Freund warnt sie: ihre Zukunft als Künstlerin hänge nun vom Wohlwollen der neuen Machthaber ab.

Daraufhin zieht sich Käte Lassen zurück. Sie äußert sich öffentlich kaum noch und arbeitet im Verborgenen weiter. Ihre wirtschaftliche Lage ist angespannt: Nach der Inflation der 1920er Jahre kann sie nicht mehr auf familiäre Unterstützung zählen. Umso schwerer fällt es ihr, künstlerisch unabhängig zu bleiben.

Und so entstehen trotz ihrer inneren Distanz zum Nationalsozialismus in dieser Zeit Auftragsarbeiten. Darunter ein Hitler-Porträt für eine Bank, ein Wandbild für eine Schule in Eckernförde und das Bild, das Sie mit dieser Station verbindet: „Zwei Schäferhunde“ (1935). Der Auftrag stammt vom damaligen Polizeipräsidenten. Käte Lassen hat sich nicht darauf beworben, ihre Kunst ist bekannt und geschätzt. Das Bild zeigt Reichsfarben, Kreisformen, eine pathetische Komposition und lässt sich in Teilen der NS-Bildsprache zuordnen. Ob Käte Lassen hier ideologisch arbeitete oder sich im engen Spielraum arrangierte, bleibt offen. Das Gerücht, sie habe später ein Hakenkreuz im Hintergrund des Bildes übermalt, hält sich bis heute. Doch restauratorische Untersuchungen belegen, dass es nie ein Hakenkreuz im Hintergrund gab.

Auch die Bezeichnung „nordisch“ bekommt in dieser Zeit eine neue Bedeutung. Schon vor 1933 wurde ihre Kunst so beschrieben von anderen und von ihr selbst. Nun dient die Zuschreibung auch als ideologische Legitimation. Der Museumsdirektor Fritz Fuglsang betont diesen Aspekt öffentlich, wahrscheinlich um sie vor Zensur zu schützen. Käte Lassen tritt keiner NS-Künstlervereinigung bei. Sie bleibt außen vor und ist zugleich mittendrin.

Ob sie sich aus Überzeugung distanzierte oder aus Vorsicht schwieg, kann man heute nicht mit Gewissheit sagen. Sicher ist: Sie war keine Mitläuferin, aber auch keine Widerstandskünstlerin. Ihr Weg durch diese Zeit war ein Balanceakt zwischen Überleben und Haltung, zwischen Nähe und Distanz zum System. Käte Lassens Beispiel macht deutlich, wie eng Kunst, persönliche Haltung und politischer Kontext miteinander verwoben sind.

 

Station 4: St. Marienkirche  

Käte Lassen und ihre Glasfenster

Station 4 als Audiodatei

Ein Blick in die St. Marienkirche lohnt sich, besonders bei Sonnenschein. Denn dann durchflutet buntes Licht den Raum und Käte Lassens Glasfenster strahlen in voller Pracht. Mitte der 1920er Jahre wendet sich die Künstlerin der Glasmalerei zu. Zunächst aus wirtschaftlicher Notwendigkeit, doch bald entdeckt sie darin ein neues künstlerisches Ausdrucksfeld. Sie widmet sich intensiv der Gestaltung der Fenster. Sie ordnet alles andere unter, investiert viel Zeit in Entwürfe, Materialwahl und Farbgestaltung. Ihren ersten größeren Erfolg erzielt sie mit den Fenstern für das Harrisleer Krankenhaus. Weitere Aufträge folgen, unter anderem für das Deutsche Haus in Flensburg. 

1947 erhält sie den Auftrag für das Marienfenster, welches 1949 feierlich und mit großer Öffentlichkeit eingeweiht wird. Insgesamt schafft sie sechs Fenster für die Kirche. Diese stellen biblische Szenen dar, vom „Jüngsten Gericht“ über die „Passion“ bis hin zu „Pfingsten“, „Auferstehung“ und „Himmelfahrt“. Die Fenster sind farbintensiv, detailreich und voller Symbolik. Ausdrucksstarke Figuren und dynamische Kompositionen zeichnen die Szenen aus. Lebende Zeitgenossen dien ihr dabei als Modelle, von denen sie zahlreiche Skizzen anfertigt. Wer genau hinsieht bemerkt: im letzten Fenster auf der rechten Seite, welches das „Jüngsten Gericht“ zeigt, hat sie sich selbst subtil verewigt. 

Diese Glasfenster markieren das Ende von Käte Lassens künstlerischem Schaffen. Ihre letzte Arbeit für die Kirche kann sie aufgrund von gesundheitlichen Problemen nicht mehr selbst vollenden. Sie stirbt, bevor das Werk abgeschlossen ist.

Die St. Marienkirche wird damit nicht nur zum Platz ihres künstlerischen Höhepunkts, sondern auch zum Ort, an dem man von ihr Abschied nimmt, denn hier, unter den Fenstern, die sie geschaffen hat, findet 1957 ihre Beerdigung statt.

 

Station 5: Museumsberg  

 

Käte Lassens künstlerisches Erbe 

 

Station 5 als Audiodatei 

Unsere letzte Station führt uns an einen Ort, an dem Käte Lassens Werk lebendig bleibt: den Museumsberg Flensburg. Ihre Arbeiten sind Teil der Dauerausstellung im Hans-Christiansen-Haus und dort im 2. Stock zu finden. Bereits 1907 erhält sie im damaligen Kunstgewerbemuseum, dem heutigen Museumsberg, ihre erste Einzelausstellung. Der damalige Direktor Ernst Sauermann erkennt früh ihr Talent und wird ein wichtiger Unterstützer. Er kauft Werke an, organisiert Ausstellungen und gibt ihr auch in schwierigen Phasen wertvolle Ratschläge. 

Doch ihre Kunst polarisiert. Ihre Bilder sind nicht gefällig: sie sind kantig, eigenwillig, unverwechselbar. Viele empfinden sie als zu rau oder sperrig. Andere, wie Sauermann oder der spätere Museumsdirektor Walter H. Dammann, sehen in dieser Eigenständigkeit ihre große Qualität. Dammann setzt sich dafür ein, sie über Schleswig-Holstein hinaus bekannt zu machen, leider ohne Erfolg. In der NS-Zeit bemüht sich Käte Lassens späterer Förderer, Museumsdirektor Fritz Fuglsang, wahrscheinlich ihre Kunst vor der Zensur zu bewahren. Öffentlich betont er, ihre Werke seien „nordisch“, eine ideologisch aufgeladene Zuschreibung, die er vermutlich taktisch einsetzt, um sie zu schützen.

2007 und damit 100 Jahre nach ihrer ersten Einzelausstellung und anlässlich ihres 50. Todestages schätzen viele Menschen ihre Kunst in einer großen Ausstellung des Museumsbergs. Doch das Museum zeigt nicht nur ihre Werke, sondern bewahrt auch umfangreiche Zeugnisse ihres Schaffens: Briefe, Skizzen und Aufzeichnungen dokumentieren ihr Leben.

Teil der Dauerausstellung ist auch eins ihrer Selbstbildnisse. Bemerkenswert ist, dass Käte Lassen sich hier ganz ehrlich als die Frau malt, die sie ihr Leben lang ist: ob in jungen Jahren und mit der Unterstützung ihrer Eltern, in der Zeit die sie selbstbestimmt und frei in Dänemark verbringt, zur Zeit des Nationalsozialismus oder bei ihrem letzten Werk für die St. Marienkirche. Käte Lassen ist eine Künstlerin. 

Die es als Frau im frühen 20. Jahrhundert gegen die Erwartungen ihrer Zeit schafft von ihrer Kunst selbstbestimmt zu leben. Und die so ihre Heimatstadt Flensburg und die Region bis heute prägt.

Museumsberg
Details
  • Erwachsene
  • Mixgruppen: Kinder & Erwachsene
  • Auf eigene Faust
  • 1 Stunde
  • Deutsch
  • Menschen mit Sehbehinderung
Kosten
  • kostenlos